Auch im Mittelstand gewinnt Compliance an Bedeutung. Foto: Thinkstock / stockvisual
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Studie

Mittelständler investieren in Compliance

Compliance ist kein Thema mehr für Großkonzerne. Auch im Mittelstand ist das Bewusstsein angekommen, dass es nicht mehr ohne geht. Mehr noch, auch kleine Unternehmen wollen sich hier besser aufstellen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz zusammen mit dem F.A.Z.-Institut, für die 100 mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen befragt wurden.

So haben acht von zehn Mittelständlern bereits entweder ein umfassendes Compliance-Management-System eingeführt (40 Prozent) oder zumindest in Teilbereichen Compliance-Systeme etabliert (weitere 40 Prozent). Dabei ist es aber nicht verwunderlich, dass es vor allem die Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand sind, die die umfassendsten Systeme vorweisen können. Doch die kleineren Unternehmen haben den Nachholbedarf registriert und wollen laut Studie ihre Maßnahmen ausweiten. So gaben 58 Prozent der befragten Unternehmen, deren Jahresumsatz unter 50 Millionen Euro liegt, stetig steigende Investitionen in Compliance an. Bei den größeren Unternehmen sind es immerhin noch 40 Prozent.

Modulares Vorgehen bei Compliance

Dieses Vorgehen ist nicht ungewöhnlich. Folgt man den Studienautoren, so ergreifen Geschäftsführer oder Abteilungsleiter in kleineren Unternehmen – anders als mitunter Großkonzerne – in der Regel je nach Risikograd zunächst Compliance-Maßnahmen in Teilbereichen des Unternehmens. Begründet liegt dieses modulare Vorgehen auch in den meist eher flachen Hierarchien und den direkten Kommunikationswegen, die im Mittelstand häufig zu finden sind. Der Trend jedoch geht, so die Studie, auch hier hin zu umfassenden Systemen. So planen neun von zehn befragten Unternehmen ihre Richtlinien beziehungsweise Prozesse anzupassen oder neu zu etablieren, um so die Voraussetzungen für ein umfassendes CMS zu schaffen.

Datenschutz und Sicherheit am wichtigsten

Den größten Handlungsbedarf sieht man im Mittelstand im Bereich Datenschutz (98 Prozent), in der IT-Sicherheit (92 Prozent) sowie im Arbeits- und Steuerrecht (86 und 82 Prozent). Mit etwas geringerer Häufigkeit wurden als Handlungsfelder die Bereiche Umweltrecht, Korruption und Kartellrecht genannt.

Die Investitionen in Compliance sollen daher auch zu mehr Sicherheit (90 Prozent) und Transparenz (83 Prozent) führen. Aber auch effizientere Prozessabläufe (44 Prozent) werden erhofft. In einem Bereich sind die Mittelständler wohl nicht von Großkonzernen zu unterscheiden. Auch hier ist man der Ansicht, dass der wichtigste Erfolgsfaktor von Compliance mit 94 Prozent Zustimmung der „Tone from the Top“ ist.

Für die Studie wurden Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro befragt. Etwa 40 Prozent lagen unter der Schwelle von 50 Millionen Euro Umsatz. Ergänzt wurde die Befragung durch sechs Tiefeninterviews.

 

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