Liebe Leserinnen und Leser,
über Gehalt spricht man in vielen Unternehmen ungefähr so gern wie über Fehlbuchungen oder Bonuslogiken. Nach außen heißt das Diskretion, nach innen oft etwas anderes. Mit der EU-Entgelttransparenz-Richtlinie wird daraus nun ein Governance-Thema mit Frist, Struktur und Folgen: Bis zum 7. Juni 2026 müssen Unternehmen ihre Entgeltsysteme so organisieren, dass sie diskriminierungsfrei, nachvollziehbar und belastbar erklärbar sind.
Genau dort setzt unser Titelthema „Transparenz“ an. In der neuen Ausgabe des Compliance Managers zeigen wir, warum die eigentliche Verschärfung nicht in der Offenlegung liegt, sondern in der Durchsetzung. Dazu kommen Beiträge über die Folgen für Recruiting und Arbeitgeberkommunikation, über Governance-Anforderungen bei Vergütungstransparenz und über die unbequeme Frage, warum Transparenz allein noch keine Gerechtigkeit schafft.
Auch die weiteren Beiträge zeigen, wie sehr Compliance in die operative Praxis rückt: von neuen EU-Regeln über KI-Risiken in Rechtsabteilungen und Litigation Readiness bis zu Compliance im Krankenhaus und Restrukturierung als Belastungstest für Organisationen. Man könnte auch sagen: weniger PowerPoint, mehr Betriebsfähigkeit.
Was diese Beiträge verbindet, ist ein schlichter Befund: Es reicht immer seltener, eine Regel zu haben. Man muss zeigen können, wie sie angewendet wird, wer sie verantwortet und warum das Ergebnis so ausfällt und nicht anders.
Viel Freude bei der Lektüre!
