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Compliance Management

Nix verstanden bei den Banken

Es waren einmal Finanzinstitute, die im Volksmund unter dem Namen „Banken“ besser bekannt sind. Vor etwa neun Jahren haben diese „Banken“ durch ihr nicht besonders korrektes und weitblickendes Verhalten eine Finanzkrise ausgelöst. Seitdem übten sie sich öffentlich in Buße, streuten Asche auf ihr Haupt und stellten wahllos – ebenfalls nicht besonders durchdacht – Legionen von Compliance Officern ein. Man witzelte schon, dass jeder Zweite, der neben einem in der Kantine steht, ein „Compliance-Mensch“ sein könnte! Da schnürt es ja einem den Hals vor lauter Furcht zu! So schlimm war es. Die Banken verdienten sozusagen unter Aufbietung letzter Kräfte das Geld, um es komplett bei den Gehaltszahlungen der Compliance Officer wieder auszugeben. Weiter:

Ein Prophet

Beruhigend war es allerdings, dass es auch bei den Finanzdienstleistern große Denker und weise Menschen gab, die gegen diesen „Compliance-Wahn“ rebellierten. Erinnern wir uns beispielsweise an Jamie Dimon, den CEO von JPMorgan Chase. Dieser Prophet hatte am meisten den Durchblick und warnte bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen das „Gespenst COMPLIANCE“, witterte gar eine Verschwörung zwischen den Regulierungsbehörden und den Compliance Officern dieser Welt – die hätten doch tatsächlich so etwas wie ein Perpetuum mobile geschaffen, um die Banken in den Fängen der Compliance zu quälen! Mit dem „American Dream“ sei das ja nun wirklich nicht mehr vereinbar, so der große Versteher der amerikanischen Geschichte Jamie Dimon.

Diese Zustände sind aber nun vorbei! Mit seinen Verkündungen ist es Jamie Dimon doch nun tatsächlich gelungen, das verkrustete Herz der Banker aufzubrechen. Es gibt jetzt eine totale Kehrtwende bei den Banken, es hat sich endlich auscompliancet! Da atmen wir doch alle auf! Und diese Kehrtwende sieht wie folgt aus: Compliance Officer werden durch die Computer ersetzt! Ist das nicht ein Geniestreich?

Wir brauchen euch nicht mehr

Die Banken haben bisher mehr als 300 Milliarden Euro an Strafen bezahlt. Nun, wo diese eben bezahlt sind, kann man ja – nach der Logik der Banker – den nächsten logischen Schritt wagen: Compliance muss weg! Denn sie haben ihren Zweck erreicht – sonst wären die Strafen ja womöglich noch höher ausgefallen, hätte man sich in der Öffentlichkeit und gegenüber Justitia nicht als reuiger Sünder gezeigt. Im Handelsblatt vom 24. März 2017 war dazu zu lesen: „Als Gründe führen die Banken unter anderem an, dass Bußgelder langsam abebben.“

Na also! Sozusagen „vielen Dank, wir sind jetzt compliant. Jetzt könnt ihr, liebe Compliance Officer, wieder nach Hause gehen oder euch beim Arbeitsamt zum Legal Counsel umschulen lassen. Wenn uns Compliance ausgeht, dann melden wir uns bei euch.“ Also, der ganz große Wurf bei den Banken ist jetzt eine Vision: Computer sollen die Menschen ersetzen!

Die Royal Bank of Scotland beispielsweise lebt ihre sadistische Ader besonders an den Compliance Officern aus, die die neuen Kunden auf verdächtige Verhaltensweisen hin überprüfen sollen. Die Credit Suisse will nun allen zeigen, wie man das richtig anpackt, und ersetzt Compliance-Leute durch Roboter, die die Mitarbeiter bei der Beantwortung von einfachen Compliance-Fragen „unterstützen“. Eine wunderbare Idee! Ein gewisser Brian Chin, Leiter der Sparte Global Markets bei Credit Suisse, sagte gegenüber Reuters, dass er sich davon einen Effizienzgewinn verspreche, denn schließlich sei das Befragen einer Maschine doch einfacher, als ein Handbuch oder eine Website zu konsultieren. Wie soll man das verstehen? Dass man mit den Robotern wenigstens reden kann? Und mit den Compliance-Leuten – so lehrt wohl die Erfahrung – eben nicht! Und wenn die was von sich geben, dann versteht die keiner … So, da habt ihr es, ihr lieben Compliance Officer – eure Kommunikationsbemühungen schwimmen gerade den Bach runter und stürzen irgendwann von einem riesigen Wasserfall in den Tod!

Die Lektion „ordentlich“ gelernt

Was haben uns die Banken nicht all die Jahre ans Ohr gelabert, was sie alles in Compliance tun! Die neuesten Geniestreiche zeigen doch nun mehr als eindeutig, dass sie in Sachen Compliance ein richtig gelungenes „Change“ erreicht haben, so ein richtig schönes „Turnaround“! Oder haben Sie etwa von den Banken etwas anderes erwartet?

Uns bleibt an dieser Stelle, den Bankern zu gratulieren und einen herzlichen Glückwunsch zu senden! Meldet euch wieder gerne bei uns, wenn ihr vor dem Richter steht. Wir halten euch dann im Gefängnis die Pfötchen und bringen euch Mandarinen vorbei. Mehr können wir für euch dann nicht mehr tun.

 

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