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Prävention

Korruption ist ansteckend

In vielen Ländern werden beide Seiten einer Bestechung, also nicht nur derjenige, der sie annimmt, sondern auch der, der sie anbietet, bestraft. Erstaunlich ist, dass die Androhung von zum Teil sogar harten Sanktionen, mitunter wirkungslos bleibt und das Geschäft mit der Bestechung weiterhin floriert. Warum das so ist, hat ein Forscherteam der Monash Business School in Melbourne untersucht.

Und wie sich herausgestellt hat, ist Korruption gewissermaßen ansteckend. Denn nicht die Möglichkeit, für die Bestechung bestraft zu werden, ist entscheidend dafür, ob ein Bürger oder ein Unternehmen Bestechungsgelder anbietet, sondern vielmehr das Wissen, dass die Annahme von Bestechungen unter Beamten üblich ist, die Korruption also als etwas Normales angesehen wird. Überspitzt ließe sich dem hinzufügen, dass, wenn die Bestechlichkeit von Beamten als gegeben zu sehen ist, für den Bestechungsanbieter ein gewisser Druck entsteht, diesem auch zu entsprechen, sofern er nicht benachteiligt werden will. Grundsätzlich ist dies keine Überraschung, sondern deckt sich mit Annahmen, die über bestimmte Bereiche nicht nur im Ausland seit langem bestehen. Auch die Forscher weisen darauf hin. Interessant ist aber, dass sie schlussfolgern, dass die Bestrafung von beiden Seiten der Korruption nicht der beste Weg ist, die Korruption einzudämmen.

Um diese Effekte nachzuweisen, führten die Forscher zusammen mit der argentinischen Universidad Nacional del Sur in Bahía Blanca ein Experiment mit 426 Teilnehmern durch. Argentinien ist laut den Forschern ein Land mit einer langen Korruptionsgeschichte und belegt im Corruption Perception Index (CPI) von 2014 Rang 107 von insgesamt 175 Ländern (aktuell Rang 95). Deutschland erreichte zum Vergleich in dem Jahr Rang 12 (aktuell Rang 10).

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. In der einen schlüpften die Teilnehmer in die Rolle einer Firma, die anderen in die Rolle von Beamten. Die Firmen durften Bestechungsgelder offerieren, die Beamten jeweils entscheiden, ob sie sie annehmen oder ausschlagen. Zudem wurde den Teilnehmern mitgeteilt, dass die geheime Absprache zwischen Firma und Beamten beide Seiten einen Vorteil zu Lasten einer dritten Nicht-Regierungs-Umweltorganisation bringen würde. In einem zweiten Durchgang wurden die Beamten noch einmal unterteilt, je nachdem, ob sie in ihrer Rolle korrupt waren oder nicht, und den Firmen zugeteilt. Diese hingegen wurden darüber informiert, ob ihr bürokratisches Gegenüber bestechlich war oder nicht. In dieser zweiten Runde nun gewährten die Teilnehmer, die einem korrupten Beamten gegenübersaßen, diesem doppelt so häufig Bestechungsgelder als zuvor. Das Risiko, für die Bestechung bestraft zu werden, wurde – so folgerten die Forscher – als unwichtig angesehen.

Dementsprechend seien für Antikorruptionskampagnen nicht die Androhung von Sanktionen an alle Beteiligten entscheidend, sondern dafür zu sorgen, dass Bestechung nicht mehr als normal angesehen wird. Denn die bloße Meinung, dass Bestechung unter Umständen normal beziehungsweise notwendig ist, hob alle anderen Entscheidungsfaktoren auf. Geschlecht, Status oder auch der Bildungshintergrund machten in dem Experiment keinen Unterschied.

Die Forscher aus Melbourne stützten sich bei der Untersuchung auch auf frühere Forschungen, die sich mit der Frage beschäftigt hatten, welchen Effekt es auf die Korruptionsbereitschaft hat, wenn nur der Bestechungsnehmer nicht jedoch der Bestechungsgeber bestraft werden würde. Hier ergab sich, dass unter diesen Bedingungen die Korruption um 35 Prozent reduziert werden kann. Dementsprechend plädieren die Forscher, dafür den Umgang mit Korruption zu überdenken.

 

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