Foto: Thinkstock/ Jane_Kelly
Daimler schult seine MItarbeiter mit dem Integritätsspiel "Monster Mission" (c) Thinkstock/Jane_Kelly
Ein Unternehmensbeispiel, Teil 3/4

Compliance-Pädagogik bei Daimler

Bei Daimler werden die Grundinformationen alle zwei bis drei Jahre im WBT vermittelt. So waren zum Beispiel im Jahr 2013 die Schwerpunktthemen Kartellrecht und Korruptionsprävention. Dieses WBT ist modular aufgebaut, so dass zuletzt insgesamt 112.000 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig zum Training eingeladen werden konnten. Aufbauend darauf gibt es Präsenzschulungen, die risiko- und zielgruppenorientiert sind. Daimler verknüpft dabei Compliance mit Integrität, denn es geht um das „Mindset“ der Mitarbeiter. „Es geht nicht allein darum, was richtig und was falsch ist. Sondern um die Frage, wie verhalte ich mich in Grausituationen und in schwierigen Dilemmasituationen, wo es kein eindeutiges Richtig und Falsch gibt“, erklärt Carolin Schwarz, Leiterin Integrity Management bei Daimler. „Wir setzen darauf, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln und lernen, wie man sich Hilfestellungen im Unternehmen, bei Kollegen oder Vorgesetzten holt.“ Welche Mitarbeiter an welchen Präsenzschulungen teilnehmen, wird geclustert. „Das Clustering beginnt mit der Bedarfsanalyse. Danach clustern wir nach Risiko, Ländern und der Zielgruppe, basierend auf Funktion und Hierarchieebene“, so Schwarz.

Bei der Bedarfsanalyse verläuft werden zunächst die Themen definiert, die für die Zentrale wichtig sind. Danach werden die Themen aus den Berichten der Compliance Officer vor Ort aufgenommen.

Die richtige Haltung

Daimler setzt ganz bewusst auf die Haltung der Compliance-Trainer. „Das ist uns wichtig. Die Trainer bieten eine Hilfestellung an, und zwar auf Augenhöhe. Denn vor allem die Businessentscheidungen werden oft unter Hochdruck getroffen und sie liegen auch manchmal im Graubereich“, erklärt Schwarz. „Mit der richtigen Haltung können die Trainer die Kollegen dafür gewinnen, sich mit diesen Themen zu beschäftigen.“ Das Daimler-Schulungskonzept basiert auf Case-Studies, kollegialer Fallberatung und interaktiven Rollenspielen.

Der „Walk Through“

Neue Compliance Officer durchlaufen bei Daimler ein „Walk Through“-Programm. In diesem zweiwöchigen Basisprogramm gibt es anderthalb Tage, in denen die Compliance Manager über ihre Rolle als Trainer reflektieren. Darüber hinaus wird innerhalb eines Jahres eine zweieinhalbtägige Tagung für Compliance Officer organisiert, wo es nur um ihre Rolle als Trainer geht. „Hier wird besprochen, wie man eine gute Bedarfsanalyse und ein gutes Training durchführt. Wie strukturiert man ein Training so, dass es sinnvoll für die jeweilige Gruppe ist? Eingegangen wird natürlich auch auf andere Themen wie kollegiale Fallbesprechungen und den Umgang mit Konfliktsituationen“, so Schwarz.

Eine neue Form der Auseinandersetzung mit Integritätsfragen wurde bei Daimler im September 2014 eingeführt. Es handelt sich um das Online-Spiel „Monster-Mission“. „Wir haben uns überlegt, was wir tun können, um die Mitarbeiteransprache so zu gestalten, dass sie lange attraktiv bleibt“, erzählt Schwarz. „Die zentrale Frage war, wie man einen Mindset-Prozess weiterführen kann.“ So kam man auf das Thema „Gamification“. Es handelt sich dabei nicht um ein E-Learning, sondern um ein Spiel. Darin müssen die Mitarbeiter ihr eigenes fiktives Unternehmen mit guten Entscheidungen wachsen lassen, aber auch die Monster bekämpfen (ausführlicher dazu siehe „Lernen von Daimler“). „Die Mitarbeiter dürfen das Spiel in der Arbeitszeit spielen.

Für uns ist es ein weiterer Weg, um über Integrität zu sprechen“, so Schwarz. „Die Menschen sind mittlerweile aus ihrem privaten Umfeld heraus an spielerische Ansätze gewöhnt, um damit reale Problemstellungen zu lösen. Die Möglichkeit sich mit anderen Mitarbeitern zu vergleichen, fördert den spielerischen Ansatz.“

Klar ist, dass die Gestaltung der Schulungen ernst genommen wird, denn schließlich hängt davon der Compliance-Erfolg ab. Es wird aber auch deutlich, dass die Compliance-Mitarbeiter dafür erst ausgebildet und befähigt werden müssen, um Compliance-Schulungen zu halten. Noch keiner ist zu einem guten Pädagogen geboren und auch nicht geworden. Der Weg, einfach einen Compliance Officer zu benennen und der Rest ihm alleine zu überlassen, ist falsch.

Lernen von Daimler

Daimler verfolgt einen neuen Weg im Training. Der Anstoß zur Entwicklung eines Spiels war die Frage, wie kann man den Mindset-Prozess über Jahre hinweg weiterführen? Entstanden ist ein Integritäts-Spiel mit dem Namen Monster Mission, das im September 2014 eingeführt wurde. Das Spiel ist kein ELearning. Die Spielteilnehmer müssen ihr eigenes fiktives Unternehmen mit guten Entscheidungen wachsen lassen und dabei die Monster bekämpfen. Es gibt 4 Monster, die für Verhaltensweisen stehen, die bei Daimler nicht gerne gesehen werden.

Die Teilnehmer können ihren eigenen Avatar entwerfen, ihre Firma benennen und werden dann im Spiel mit kritischen Situationen des Geschäftsalltags konfrontiert. Nur wenn sie bei ihren Entscheidungen gleichzeitig ethische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, können die Monster besiegt und Schaden vom Unternehmen abgewendet werden. Jede Entscheidung beeinflusst den weiteren Spielverlauf. Auch nach getroffenen Entscheidungen werden die Spieler immer wieder mit Gegenargumenten konfrontiert und haben Gelegenheit, ihren Lösungsweg zu überdenken. Verhalten sich die Spieler unternehmerisch klug und gleichzeitig integer, wird das Monster Schritt für Schritt kleiner, bis es aus dem Unternehmen verschwindet und das Unternehmen wächst. Die Teilnehmer können untereinander vergleichen, wie weit sie ihr Unternehmen ausgebaut haben.

Wirkung: Die Teilnehmer werden spielerisch in das Thema Integrität eingeführt. Das Abwägen der Entscheidungen führt dazu, dass die Mitarbeiter ihr Verhalten reflektieren und sich mit geschäftsethischen Fragen auseinandersetzen.

 

Das könnte sie auch noch interessieren

© SAI Global

Eine gelebte Compliance-Kultur zum Anfassen

Was ist eine Compliance-Kultur, wie kann sie entstehen und am Leben erhalten werden? Das fragen sich viele Compliance Manager. Sie werden sehen, dass eine Compliance-Kultur nicht...

(c) SAI Global

Compliance-Kultur im Home Office

Informationssicherheit, Datenschutz, aber auch Integrität, Respekt und Transparenz bleiben weiterhin wichtige Elemente der täglichen Arbeit. Wie kann man sicherstellen, dass sie auch im Homeoffice...

(c) SAI Global

Wie wertebasierte Verhaltenskodizes Compliancekultur fördern

Wann waren Ihre Mitarbeiter das letzte Mal von dem Gedanken begeistert, eine Compliance-Schulung zu absolvieren? Wir alle kennen die Antwort – und den Grund dafür.

© GettyImages / relif

Das Regulatory Monitoring muss professionalisiert werden

Das vorausschauende Erfassen und Verarbeiten von Norm- und Gesetzesänderungen ist ein Punkt, in dem das Compliance Management vieler Unternehmen nach wie vor Schwächen aufweist. Ein einheitlich...

© GettyImages / ChakisAtelier

Digitalisierung spart Zeit und Kosten

Durch Automatisierung und Digitalisierung zur effizienteren Compliance-Risikoanalyse.

Foto: Getty Images / Eric Audras

Die neue EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern

Es ist jetzt genau einen Monat her, seit dem der Entwurf einer EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern veröffentlicht wurde. Und die erste offizielle Beratung durch die EU-Justizminister steht...

Neuen Kommentar schreiben

Das Compliance-Portal

compliance-manager.net informiert über aktuelle Entwicklungen im Bereich Compliance. Wir veröffentlichen Meldungen, Fachartikel und Gastbeiträge, die darüber hinaus Einblicke in die Unternehmenspraxis und den aktuellen Diskurs geben.

Jetzt Abonnieren

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Unsere kostenfreien Newsletter informieren Sie über aktuelle Diskussionen, Personalwechsel und Job-Perspektiven im Compliance-Bereich. Unser Printmagazin „Compliance Manager“ unterstützt Sie auf mehr als 80 Seiten mit gut recherchierten Geschichten und spannenden Interviews in Ihrem Berufsalltag.