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Studie

Compliance im Mittelstand

Für weit mehr als zwei Drittel von 60 befragten Mittelständlern sind die Verhinderung von Korruptions- und Wettbewerbsdelikten und die damit verbundene Haftungsvermeidung  die wichtigsten Motive, sich mit dem Thema Compliance auseinanderzusetzen. Das ist ein Ergebnis der Studie Compliance im Mittelstand, die vom Center for Business Compliance & Integrity in Kooperation mit dem DICO - Deutsches Institut für Compliance e. V. und COMFORMIS durchgeführt wurde.

Angst vor Compliance-Bürokratie

Was Compliance betrifft, geht es für fast alle mittelständischen Unternehmen zunächst um die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen und interner Verhaltensstandards und -richtlinien. Bei der praktischen Umsetzung muss der Mittelstand jedoch noch einige Hürden  nehmen: Fast die Hälfte der Befragten befürchtet das Entstehen einer Compliance-Bürokratie.

40 Prozent der Unternehmen denken zudem, dass das mangelnde Verständnis der Mitarbeiter für Compliance die Umsetzung im Geschäftsalltag behindert. Die Kenntnis der relevanten Compliance-Regelungen und die Kenntnis der Anforderungen an ein Compliance-Management-System sind für jedes dritte befragte Unternehmen ein großes Problem.

Triebfedern für Compliance

Die Vermeidung von Bestechung und Bestechlichkeit ist die häufigste Triebfeder für Compliance. Für 65 Prozent der Befragten sind jedoch auch Arbeits- und Sozialstandards wichtige Compliance-Themen. Diese Erweiterung der relevanten Themen auf mehr als bloße „Legal Compliance“ – also die Einhaltung von Recht und Gesetz – zeigt auch die hohe Bedeutung der Werte- und Unternehmenskultur, die für 78 Prozent der Befragten zu Compliance gehört.

Umsetzung von Compliance

Sinnvolle Instrumente, um Compliance umzusetzen, sind für die Befragten die Durchführung von Schulungen sowie die Besprechung konkreter Fälle. Dennoch setzen rund die Hälfte der Unternehmen diese beiden Instrumente nicht um. Dafür erachten 72 Prozent  externe Unterstützung  bei der Compliance-Arbeit als hilfreich, vor allem bei der Risikoanalyse und Organisationsberatung.

Fazit

Die Ergebnisse belegen, dass das Thema Compliance für mittelständische Unternehmen nicht unbekannt ist. Es birgt Herausforderungen, die noch zu bewältigen sind. Da sich die Studie auch an Unternehmen richten soll, die bisher mit Compliance weniger vertraut sind, werden abschließend von den Interviewpartnern Empfehlungen bezüglich der ersten Schritte bei der Beschäftigung mit Compliance im eigenen Unternehmen gegeben. Die Empfehlungen sind im letzten Kapitel der Studie nachzulesen.

Für die CBCI-Studie wurden von September bis November 2013 sowohl eine quantitative Befragung mittels eines Online-Fragebogens als auch eine qualitative Befragung durch 24 Telefoninterviews mit Vertretern mittelständischer Unternehmen durchgeführt. Darüber hinaus wurde eine Auswertung anderer Studien auf diesem Themengebiet vorgenommen, um – sofern möglich – eine Vergleichbarkeit der jeweiligen Ergebnisse herzustellen.

Das Center for Business Compliance & Integrity ist ein von Prof. Dr. Stephan Grüninger geleitetes Forschungs- und Entwicklungsinstitut der Hochschule Konstanz und befasst sich unter anderem mit der Entwicklung von praxistauglichen Konzepten und Methoden für Compliance und Integrity Management.

Hier können Sie die Studie kostenlos herunterladen.

 

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