Foto: Thinkstock / (C) 2006 Comstock Images / Jupiterimages
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Compliance Barometer

Auf dem Weg, längst nicht am Ziel

Das Thema Compliance ist in deutschen Unternehmen weitestgehend angekommen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die erstmals durchgeführte Studie „CMS Compliance Barometer“ der Anwaltssozietät CMS Hasche Sigle. Bei den großen Unternehmen ist der Compliance-Bereich inzwischen auch ausreichend professionalisiert. Dennoch konstatieren die Studienautoren einigen Verbesserungsbedarf.

Befragt wurden anonym und repräsentativ Compliance-Verantwortliche aus 175 Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern. Im Gesamtbild lassen sich die Ergebnisse auf einen Indexwert von 64 Punkten bei möglichen 100 Zählern verdichten. Man ist also auf einem guten Weg, aber längst nicht am Ziel.

Verbesserungspotenzial beim Organisationsgrad

Defizite verorten die Studienautoren beispielsweise in der Compliance-Organisation in den Unternehmen. Positiv ist zu vermerken, dass gut die Hälfte der befragten Unternehmen die personellen und finanziellen Ressourcen in den vergangenen Jahren erhöht hat. Dennoch fühlen sich nur 42 Prozent der Befragten auch tatsächlich gut ausgestattet.

Hier fehlt es vor allem noch an einem entsprechenden Fokus. Meistens, so die Studie, sind die Compliance-Verantwortlichen in der Rechtsabteilung, dem Controlling, dem Risikomanagement oder in der Revision angesiedelt und in der Mehrheit der Unternehmen sind ein bis vier Mitarbeiter mit Compliance-Aufgaben betraut. Allerdings ist Compliance für viele dieser Mitarbeiter nicht ihre Hauptaufgabe. Zudem hat nicht einmal ein Drittel der befragten Unternehmen eine eigene Compliance-Abteilung eingerichtet. Mehr noch, in fast einem Drittel der Unternehmen üben Mitarbeiter aus Vertrieb und Einkauf Compliance-Aufgaben aus. Laut Studie ist das ein nicht zu unterschätzendes Haftungsrisiko.

Auch in der Verzahnung mit anderen Abteilungen hapert es noch. In etwa jedem zweiten Unternehmen werden bestehende Ressourcen nicht ausreichend genutzt und die Abteilungen nicht entsprechend verzahnt. Beratungsleistungen hingegen stehen die Unternehmen deutlich offener gegenüber. So liegt die Beratungsquote je nach Thema bei bis zu 80 Prozent.

Korruption? Nicht bei uns!

Überraschend ist, dass für viele Mittelständler (in dieser Definition 500 bis 999 Mitarbeiter) kartellrechtliche Fragen und Korruption als Compliance-Themen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Anders als der Datenschutz, der hier als größtes Compliance-Risiko gesehen wird. Völlig anders ist das in Großkonzernen – hier werden Korruptions- und Kartellrechtsverstöße als größtes Risiko gesehen. Für die Studienautoren ist dies ein deutliches Zeichen, dass bei Mittelständlern noch immer die Meinung vorherrscht, bei ihnen gäbe es so etwas wie Korruption nicht.

Dennoch spricht die Studie von einem zunehmenden Druck auf die Unternehmen. Einerseits liegt dieser in einem stetig verschärften Haftungsmaßstab, der zunehmenden Regulierung durch die Gesetzgeber und der strengeren Praxis von Behörden und Rechtsprechung begründet und wird damit auch als künftige Herausforderung gesehen. Anderseits hält es aber auch die Hälfte der befragten Unternehmen für wichtig, gegenüber Geschäftspartnern ein eigenes Compliance-System nachzuweisen.

Bewusstsein für Compliance schaffen

Eine große Herausforderung für die Unternehmen ist es auch, eine entsprechende Compliance-Kultur zu verankern und für mehr Bewusstsein und Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu sorgen. Dem Management bescheinigen bereits 88 Prozent der befragten Compliance-Verantwortlichen ein Bewusstsein für die Compliance-Themen. Bei den Mitarbeiten ist es jedoch gerade einmal ein Drittel. Ein entsprechendes Schulungsprogramm zur Vermittlung von Verhaltensanforderungen gibt es nur in der Hälfte der befragten Unternehmen.

 

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