Die neue Machtverschiebung in den Lieferketten für EV-Batterien

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Der Übergang zur Elektromobilität verändert weit mehr als nur die Produkte der Automobilindustrie. Er gestaltet die gesamte Wertschöpfungskette der Branche neu.Da Batterien zu einem entscheidenden Faktor für Kosteneffizienz, technologische Differenzierung und Versorgungssicherheit werden, gehen viele Automobilhersteller über traditionelle Lieferantenbeziehungen hinaus. OEMs investieren zunehmend in die Entwicklung und Produktion von Batterien, gehen strategische Partnerschaften ein und beschaffen kritische Rohstoffe direkt.

Dieser Wandel verschafft Herstellern mehr Kontrolle über Leistung und Resilienz. Gleichzeitig übernimmt die Industrie damit neue Verantwortlichkeiten und Risiken, die bislang überwiegend von Zulieferern getragen wurden.

Vom Lieferantenmanagement zur Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette
Historisch waren die Lieferketten in der Automobilindustrie hierarchisch aufgebaut, wobei OEMs in erster Linie ihre direkten Lieferanten steuerten. Die Batterieproduktion verändert dieses Modell grundlegend.

Um den Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit zu sichern, engagieren sich Hersteller zunehmend in vorgelagerten Bereichen der Wertschöpfungskette. Dazu gehören Investitionen in Bergbaupartnerschaften, die Produktion von Batteriezellen, Recyclinginitiativen und Joint Ventures.

Vertikale Integration kann zwar die Abhängigkeit von Zulieferern reduzieren und die Widerstandsfähigkeit stärken, erhöht jedoch zugleich die Komplexität. Die Wertschöpfungsketten für Batterien sind geografisch weit verteilt, kapitalintensiv und häufig von einer begrenzten Anzahl spezialisierter Anbieter abhängig.

Infolgedessen müssen OEMs ihren Fokus von der Steuerung einzelner Lieferanten auf die Überwachung und Steuerung von Risiken entlang der gesamten Batterie-Wertschöpfungskette verlagern.

Acht Risikobereiche, die das Batterie-Ökosystem neu gestalten

1. Regulatorische und Compliance-Risiken
Vorschriften zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten, Handelskontrollen und zur Produktrückverfolgbarkeit werden weltweit stetig ausgeweitet. Unternehmen müssen zunehmend nachweisen, dass sie nicht nur ihre eigenen Aktivitäten, sondern auch mehrere Ebenen ihrer Lieferkette rechtskonform steuern.

Verstöße können zu Bußgeldern, Importbeschränkungen, Betriebsunterbrechungen und dem Verlust des Marktzugangs führen.

2. Nachhaltigkeitsrisiken
Die Batterieproduktion wirft erhebliche ökologische und soziale Fragen auf, darunter CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Umweltverschmutzung und Arbeitsbedingungen.

Da regulatorische Anforderungen und die Erwartungen von Stakeholdern steigen, wird Nachhaltigkeit zu einem zentralen Geschäftsthema und ist nicht mehr nur eine Reputationsfrage. Die begrenzte Transparenz bei Lieferanten tieferer Ebenen erschwert dabei häufig die Identifikation und Steuerung dieser Risiken.

3. Geopolitische und Handelsrisiken
Viele für Batterien benötigte Mineralien stammen aus Regionen, die von geopolitischen Spannungen, Handelsbeschränkungen, Zöllen oder Sanktionen betroffen sind.

Veränderungen politischer Beziehungen können die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Kostenstrukturen und die betriebliche Kontinuität erheblich beeinflussen. Die Gestaltung von Lieferketten wird daher zunehmend zu einer geopolitischen ebenso wie zu einer wirtschaftlichen Entscheidung.

4. Operative Risiken und Risiken für die Geschäftskontinuität
Lieferketten für Batterien basieren häufig auf konzentrierten Bezugsquellen für kritische Rohstoffe und hochspezialisierten Zulieferern, wodurch potenzielle Single Points of Failure entstehen.

Naturkatastrophen, Infrastrukturausfälle, Industrieunfälle oder klimabedingte Ereignisse können weitreichende Auswirkungen auf Produktionsnetzwerke haben.

5. Finanzielle und Investitionsrisiken
Der Aufbau eigener Batteriekapazitäten erfordert erhebliche Investitionen in Produktionsanlagen, Technologien und strategische Partnerschaften.

Gleichzeitig sehen sich OEMs mit Unsicherheiten hinsichtlich der Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen und der Volatilität von Rohstoffpreisen konfrontiert, was die finanzielle Risikobelastung erhöht.

6. Reputationsrisiken
Lieferketten für Batterien stehen zunehmend im Fokus von Aufsichtsbehörden, Investoren, Kunden und Medien.

Probleme im Zusammenhang mit Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen oder Compliance-Verstößen können den Markenwert erheblich beeinträchtigen und das Vertrauen von Stakeholdern schwächen.

7. Risiken im Drittparteien-Ökosystem
Die Batterieproduktion hängt von einem breiten Netzwerk aus Partnern ab, darunter Technologieanbieter, Joint Ventures, Recyclingunternehmen und spezialisierte Hersteller.

Diese Beziehungen beschleunigen zwar Innovationen, können jedoch zugleich Governance-, Betriebs- und Compliance-Herausforderungen mit sich bringen, die über das traditionelle Lieferantenrisikomanagement hinausgehen.

8. Cyberrisiken
Die zunehmende Digitalisierung der Batterieproduktion erhöht die Anfälligkeit für Cyberbedrohungen. Vernetzte Betriebs- und IT-Systeme schaffen neue Schwachstellen, während Angriffe auf Zulieferer oder Partner die Produktion beeinträchtigen können, selbst wenn OEMs nicht das primäre Ziel sind.

Gleichzeitig legen Regulierungsbehörden größeren Wert auf Cyber-Resilienz und die Überwachung von Drittparteien.

Aufbau einer integrierten Risikostrategie
Da die Wertschöpfungsketten für Batterien zunehmend vernetzt sind, treten Risiken selten isoliert auf. Regulatorische, nachhaltigkeitsbezogene, operative, geopolitische, finanzielle und Cyberrisiken beeinflussen sich gegenseitig immer stärker.

Traditionelle Ansätze, bei denen diese Risiken getrennt voneinander betrachtet werden, verlieren an Wirksamkeit. Führende Unternehmen setzen daher auf integrierte Governance-Modelle für Wertschöpfungsketten, die Transparenz über Lieferanten, kontinuierliches Monitoring und einen ganzheitlichen Risikoblick über das gesamte Ökosystem hinweg miteinander verbinden.

Für Automobilhersteller ist die vertikale Integration von Batterien weit mehr als eine Produktionsstrategie. Sie stellt einen grundlegenden Wandel darin dar, wie Unternehmensrisiken entstehen, verteilt und gesteuert werden.

Unternehmen, denen es gelingt, größere operative Kontrolle mit einer robusten Risikoaufsicht zu verbinden, werden besser positioniert sein, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken, Wettbewerbsvorteile zu sichern und die Komplexität des Zeitalters der Elektromobilität erfolgreich zu bewältigen.

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