Vom Rechtskataster zum Rechts- und Pflichtenmanagement
Welche regulatorischen Anforderungen betreffen unser Unternehmen? Was hat sich geändert? Wer muss sich darum kümmern? Und können wir im Audit nachvollziehbar belegen, was wir getan haben?
Für mittelständische Unternehmen werden diese Fragen zunehmend schwerer zu beantworten. Die Herausforderung liegt vor allem in der Menge und Dynamik regulatorischer Anforderungen – und darin, sie auf das eigene Unternehmen zu übertragen.
So auch bei der Thomann GmbH. Starkes Wachstum, ein breites Produktportfolio, verschiedene Gesellschaften und zahlreiche regulatorische Anforderungen hatten über die Jahre zu einer fragmentierten Informationslandschaft geführt. Fachbereiche arbeiteten mit unterschiedlichen Quellen, Ablagen, Excel-Listen und Tools.
Die Herausforderung: relevante Änderungen zuverlässig erkennen, ihre Bedeutung für Thomann bewerten und dafür sorgen, dass die richtigen Personen im Unternehmen tätig werden.
Entscheidend ist der Unternehmenskontext
Ein Rechtskataster kann Tausende Vorschriften enthalten und trotzdem wenig Orientierung bieten. Denn dieselbe regulatorische Änderung kann für ein Unternehmen unmittelbar relevant und für ein anderes bedeutungslos sein.
Entscheidend sind Geschäftsmodell, Produkte und Dienstleistungen, Standorte und Absatzmärkte, Gesellschaftsstrukturen und Lieferketten sowie die jeweilige Rolle eines Unternehmens – beispielsweise als Hersteller, Importeur, Händler oder Dienstleister.
Genau hier setzt KI an. Ein KI-gestütztes Rechtskataster kann regulatorische Entwicklungen kontinuierlich beobachten und anhand des konkreten Unternehmenskontexts vorbewerten: Was ist für uns relevant? Warum ist es relevant? Und wo besteht möglicherweise Handlungsbedarf?
KI ersetzt dabei nicht die fachliche Entscheidung, sondern übernimmt einen wesentlichen Teil der Vorarbeit. Die abschließende Bewertung verbleibt bei den zuständigen Fachverantwortlichen.
Aus Information wird Verantwortung
Zu wissen, dass sich eine Rechtslage geändert hat, löst noch kein Compliance-Problem. Eine relevante Anforderung muss einer verantwortlichen Person zugeordnet, bewertet und gegebenenfalls in konkrete Maßnahmen übersetzt werden.
Ein modernes Rechtskataster verbindet deshalb vier Elemente:
- Unternehmenskontext: Produkte, Märkte, Standorte, Rollen und Geschäftsaktivitäten werden strukturiert abgebildet.
- Relevanzbewertung: Neue und geänderte Anforderungen werden im konkreten Unternehmenskontext geprüft und priorisiert.
- Verantwortung: Relevante Pflichten werden den zuständigen Fachbereichen und Personen zugewiesen.
- Nachweis: Bewertungen, Entscheidungen und Bearbeitungsstände werden nachvollziehbar dokumentiert.
Komplexe Umsetzungsprojekte können weiterhin über bestehende Projekt- oder Ticketsysteme gesteuert werden. Entscheidend ist, dass der Weg von der regulatorischen Änderung über Bewertung und Verantwortlichkeit bis zur Umsetzung nachvollziehbar bleibt.
Das ist insbesondere für Unternehmen relevant, die Managementsysteme betreiben und beispielsweise im Rahmen von ISO-Zertifizierungen nachweisen müssen, wie sie relevante rechtliche Anforderungen ermitteln, aktuell halten und deren Einhaltung systematisch steuern.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Beim Bundeskongress Compliance 2026 geben Kevin Rodler, CCO der Thomann GmbH, und Dr. Thomas Altenbach, CEO von LegalTegrity, Einblick in die praktische Umsetzung.
Eine wichtige Erfahrung bei Thomann: Für die Qualität der Ergebnisse ist nicht entscheidend, möglichst viele Unternehmensdokumente in ein KI-System zu laden. Entscheidend ist, den Unternehmenskontext präzise abzubilden.
Auf dieser Grundlage hat Thomann ein zentrales Rechts- und Pflichtenmanagement aufgebaut, mit dem regulatorische Anforderungen strukturiert bewertet, Verantwortlichkeiten zugeordnet und Bearbeitungsstände dokumentiert werden können. Der laufende Pflegeaufwand liegt heute bei etwa ein bis zwei Stunden pro Woche.
Wie Thomann dabei vorgegangen ist, welche Rolle KI tatsächlich übernimmt und wo weiterhin menschliche Expertise gefragt ist, zeigen Kevin Rodler und Dr. Thomas Altenbach beim BCM 2026 anhand ihrer Erfahrungen aus der Praxis. Weitere Informationen zum KI-basierten Rechtskataster von LegalTegrity.
Weitere Informationen zum KI-basierten Rechtskataster von LegalTegrity.






